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Psychotherapie

Was bedeutet Psychotherapie?

Der Begriff "Psychotherapie" ist aus der altgriechischen Sprache abgeleitet (Ψνχη - Psyche = Seele und Θυραπευω - therapia = heilen). Unter Psychotherapie versteht man die Behandlung seelischer Probleme mit Hilfe anerkannter psychotherapeutischer Verfahren ohne Einsatz von Medikamenten. Dabei gibt es unterschiedliche Therapieformen wie z. B. die Psychoanalyse, die Tiefenpsychologie, die Verhaltenstherapie, die Gesprächspsychotherapie und viele mehr. Psychotherapie beinhaltet eine gezielte persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken, Fühlen und Verhalten. Dieser Prozess wird unterstützt und begleitet von Psychologischen Psychotherapeuten, Ärzten mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation oder Kinder- und Jugendlichentherapeuten, die über eine staatliche Anerkennung (Approbation) verfügen müssen.

Was bedeutet Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie setzt an der aktuellen Situation an und geht davon aus, dass Sie einmal gelerntes Verhalten umlernen können. Sie können neue Einstellungen und Verhaltensweisen lernen, um z. B. Ängste oder Depressionen zu überwinden oder Ihr Selbstvertrauen zu stärken. Es werden Methoden wie Angstbewältigungsstrategien, Rollenspiele, Selbstsicherheitstraining, Entspannungs- und Visualisierungstraining eingesetzt. Die Verhaltenstherapie hat sich insbesondere bei der Behandlung von Depressionen, Ängsten, Zwängen und Selbstsicherheitsproblemen bewährt.

Was bedeutet Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Beide Therapieformen sind zeitlich aufwändiger als die Verhaltenstherapie. Sie setzen in der Kindheit an, versuchen herauszufinden, weshalb Sie so fühlen und sich verhalten, wie Sie es im Augenblick tun. Diese Verfahren gehen davon aus, dass seelische Probleme Folge unbewusster Konflikte aus der Kindheit sind. Die Psychoanalyse arbeitet mit Assoziationen, Träumen und der Deutung Ihrer Reaktionen gegenüber dem Therapeuten. Die Dauer der tiefenpsychologisch fundierten Therapie ist durch die Konzentration auf zentrale Lebensprobleme kürzer.

Was ist der Unterschied zwischen einem psychologischen Psychotherapeuten, einem Neurologen und einem Psychiater?

Psychologische Psychotherapeuten sind Diplom-Psychologen, die ein abgeschlossenes Psychologiestudium und eine gesetzlich anerkannte mindestens 3-jährige Therapieausbildung aufweisen.
Ärztliche Psychotherapeuten sind Ärzte, die nach einem Medizinstudium eine Therapieausbildung absolviert haben. Häufig legen sie den Schwerpunkt auf den medizinisch-organbezogenen Ansatz.
Psychiater sind Ärzte mit einer Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie. Ihre Ausbildung und Arbeitsweise geht eher von einer körperlichen Sicht der seelischen Probleme aus. Die Behandlung mit Medikamenten steht im Vordergrund. Er behandelt überwiegend schwere Persönlichkeitsstörungen und Psychosen. Manche Psychiater haben jedoch zusätzlich eine Psychotherapieausbildung und bieten Psychotherapie an.
Neurologen sind Ärzte, die zuständig sind für zentrale, periphere und vegetative Erkrankungen des Nervensystems.

Bei welchen Problemen hilft Psychotherapie?

Psychotherapie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens und Handelns, der Erlebnisverarbeitung, der sozialen Beziehungen und der Körperfunktionen. Häufige Anlässe für das Aufsuchen von Psychotherapie sind u. a. Depressionen, Ängste, Zwänge, aber auch körperliche Beschwerden, die durch psychische Probleme entstehen oder aufrechterhalten werden. In der Regel leiden Menschen, die therapeutische Hilfe benötigen ? und oft auch deren Angehörige oder Freunde - so stark unter ihren Störungen, dass sie eine Veränderung anstreben. Die Probleme können eine Reaktion auf konkrete Ereignisse darstellen, wie z. B. Verlust eines wichtigen Menschen, Verlust von Arbeit oder Heimat, körperliche Krankheit, erlittene Gewalt und vieles mehr oder sich auch ohne einen konkreten äußeren Zusammenhang entwickeln.

Wann sollten Sie einen Psychotherapeuten aufsuchen?

  • Wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihre Alltagspflichten zu erfüllen.
  • Wenn Sie schon selbst versucht haben, sich zu helfen, aber jetzt keinen Rat mehr wissen.
  • Wenn Ihr Leidensdruck groß ist und Sie an Selbstmord denken.
  • Wenn Sie Probleme mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln bekämpfen.
  • Wenn Sie mehr als 4 Wochen unter Ängsten und Depressionen leiden.
  • Wenn Sie unter Schmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen oder anderen körperlichen Beschwerden leiden und der Arzt keine körperlichen Ursachen feststellen kann.

Wie lange sollte eine Psychotherapie dauern?

Die Dauer einer Psychotherapie richtet sich nach dem Inhalt und der Komplexität der Probleme, unterscheidet sich jedoch oft auch je nach angewandter Therapieform erheblich. Eine Verhaltenstherapie führt häufig schneller zum Ziel und ist daher in der Regel deutlich kürzer als eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder eine Psychoanalyse. Zu Beginn der Therapie werden Sie immer mit dem Psychotherapeuten über den Rahmen und die Ziele der Psychotherapie sprechen. Die Frequenz und Dauer der Sitzungen sollten einer bestmöglichen Wirksamkeit angepasst werden.

Wie kann psychotherapeutische Hilfe finanziert werden?

In der Regel wird Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeuten, wie andere Leistungen zur Krankenbehandlung, über die Krankenkasse abgerechnet. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Ihre gesetzliche Krankenkasse die Kosten der Psychotherapie trägt:

  • Sie müssen eine behandlungswürdige Störung gemäß den Psychotherapierichtlinien haben, d. h .eine Störung mit Krankheitswert (z. B. Ängste, Depressionen, Essstörungen). Die Kosten für Ehe, Lebens- oder Erziehungsberatung werden beispielsweise nicht übernommen.
  • Der psychologische oder ärztliche Psychotherapeut muss approbiert sein und bei den Krankenkassen als Psychotherapeut vertraglich zugelassen sein. In besonderen Fällen erstatten die Krankenkassen über das Kostenerstattungsverfahren bei frei praktizierenden Therapeuten (wenn z. B. in angemessener Zeit und räumlicher Entfernung keine Praxis mit Kassenzulassung zur Verfügung steht).
Bei den Privatkassen hängt die Leistung von der Krankenkasse und der Art des Tarifes ab.

 
© 2019 Silvia Stolz